Martin Leuthold: «Meine Essenz der Schweiz»

 

Martin Leuthold hat als Kreativdirektor und Geschäftsleitungsmitglied des St. Galler Textilunternehmens Jakob Schlaepfer während Jahrzehnten, gemeinsam mit seinem Team, jährlich mehr als 1000 neue Stoffe für die Welt der Mode kreiert. Für sein Schaffen erhielt er zahlreiche Preise, darunter den «Schweizer Grand Prix Design » des Bundesamts für Kultur. Er ist heute in seinem eigenen Atelier tätig. 

Haben Sie eine Lieblingsfarbe?

Ich habe persönlich keine Lieblingsfarbe. In der Mode muss man sich ja immer wieder von Farben verführen lassen. Aber es gibt Farben, die schwierig sind. Grün und Blau haben mich beschäftigt, weil sie in der Natur so unglaublich vielfältig sind. Es war lange höchst anspruchsvoll, ein schönes Grün oder Blau auf Textilien zu bringen. Die Kurzlebigkeit der Mode setzt Kreative unter Druck, weil sie unablässig nach Innovationen verlangt. 

Wie schaffen Sie es, schöpferisch zu bleiben?

Im Vergänglichen tätig zu sein, gibt die Freiheit, jeden Tag etwas Neues zu tun. Die Natur ist für mich die grösste Lehrmeisterin. Sie ist eine Verwandlerin und schafft aus alten Formen stets neue. Ich kann aber auch gut loslassen, wenn etwas fertig gestaltet ist. 

Auf was sind Sie stolz, wenn Sie an Schweizer Design und Mode denken?

Ich bewundere alle Unternehmerinnen und Unternehmer, die stets nach vorne schauen. Viele hatten und haben über mehrere Generationen Erfolg. Dabei hat oft jede Generation etwas anderes gemacht. Das St. Galler Label AKRIS ist ein Paradebeispiel. Innerhalb von drei Generationen sind drei verschiedene Geschäftsmodelle entstanden. 

Was ist Ihre grösste Stärke?

Ich habe früh gelernt, dass man alles, was man an Ideen in die Welt setzt, selbst weiterverfolgen muss. Ich kann an einer Idee dranbleiben. Wenn ich an sie glaube, dann suche und finde ich Wege und Lösungen. Und ich bin überzeugt, dass jede Begegnung und jede Tätigkeit ein Lernprozess ist. 

Haben Sie einen Wunsch zur Schweiz in 20 Jahren?

Die Schweiz sollte der Versuchung widerstehen, sich vom Günstigen verführen zu lassen. Qualität ist unsere Zukunft. Wir müssen stets etwas machen, dass die ganze Welt nicht kann. Wir sind zum Beispiel gerade mit ganz vielen Hightechprodukten im Vormarsch, die aus der Textilindustrie gewachsen sind. Dies im medizinischen Bereich, in der Architektur, der Autoindustrie und natürlich im Textilbereich selbst.