Signore Panettone

 

Gold für die besten Panettoni der Schweiz. Reisen erweitert den Horizont und dank Pietro Cappelli auch den Genuss. Denn der St. Galler Kult-Bäcker – seit vielen Jahren für seine Gipfel berühmt – verwöhnt heute mit Panettoni eine Kundschaft, die auch von weit her zu ihm kommt. Sogar der ehemalige italienische Ministerpräsident hat sich schon einen «Panettone di San Gallo» bestellt. 

Wenn es am Morgen im Linsebühl fein nach frischem Brot duftet und Leute in der kleinen Bäckerei Schlange stehen, dann ist man bei Pietro Cappellis Panetteria angekommen. Seit 37 Jahren führt hier der quirlige Bäckermeister sein Geschäft an der Linsebühlstrasse 80 in St. Gallen. Die sympathische Panetteria ist die Heimat der besten Panettoni der Schweiz. Pietro Cappelli besitzt über 20 Medaillen für seinen «Panettone di San Gallo». «Was wir hier machen, würde in Italien nicht funktionieren», erklärt Cappelli. Der Panettone ist traditionell ein Weihnachtsgebäck und wird in Italien frühestens nach Allerheiligen, also ab November, angeboten. In der Weltkulturerbe-Stadt St. Gallen wird der Panettone ganzjährig nachgefragt. Kunden können, je nach Jahreszeit, aus bis zu 15 Sorten Panettoni auswählen. Und so geht Cappelli die Arbeit in der Backstube nicht aus. «Den traditionellen Panettone mit kandierten Früchten und Rosinen mögen die Kunden am liebsten», erklärt der Bäckermeister. Früchte, die Cappelli für seine Panettoni verwendet, stammen zum Teil aus dem Garten seiner Mutter auf der italienischen Insel Lipari und werden von ihm selbst kandiert. Anders als ein Panettone, der industriell verarbeitete Früchte enthält, sind seine Kreationen Frischeprodukte von der Frucht bis zum Teig. «Entsprechend sollten sie nicht über Monate hinweg aufbewahrt werden», erklärt Cappelli. Letztlich seien es gerade die kleinen Finessen wie das Kandieren der Früchte, die seinen Panettone speziell machen.

Hinter jedem guten Produkt steht auch eine gute Geschichte, so auch bei Pietro Cappelli. Nach seiner Erzählung beginnt die Geschichte im Mittelalter im Kloster St. Gallen, wo ein Padre Bernardo Antonio für das Brotbacken zuständig gewesen sei: Mönchen, die zu einer Pilgerreise aufbrachen, gab Padre Antonio immer genug Brot auf den Weg mit. Für die pilgernden Mönche war das Brot sehr nahrhaft, aber fad. Sie baten Padre Antonio, noch etwas ins Brot «reinzupacken». Padre Antonio erfüllte den Wunsch der Mönche und gab dem Brot Apfelstücke bei, wenn es grad reichlich Äpfel hatte, oder aber auch Rosinen, die das Brot etwas süssten. Padre Antonio kam immer wieder auf neue Ideen und seine Versuche gelangen. Freudig nahmen die Mönche das feine Brot von Padre Antonio mit auf ihre Reisen. Als einer der St. Galler Mönche nun in Italien ankam und dort gefragt wurde, was es für ein Brot sei, das er ass, erfand dieser spontan eine Bezeichnung für das Brot. Aus dem Namen Padre Antonio formte er die Bezeichnung Panettone = Pa(dre)-nettone (Antonio). Nun ja, wenn es nicht wahr ist, so ist es gut erfunden, sagt ein italienisches Sprichwort. Passend ist die Geschichte allemal. 

Und wie ist es dazu gekommen, dass ein «Panettone di San Gallo» zum Ministerpräsidenten nach Rom kam? «Ich hatte dem Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verband einen Panettone zur Bewertung eingereicht und schnitt dabei sehr gut ab. Zusätzlich stellte mir ein italienischer Kammer-Abgeordneter auf einer Durchreise ein italienisches Attest aus, das meine Panettoni lobte. Dies ärgerte die Tessiner Bäcker gewaltig», erzählt Cappelli. Die Aufregung über das «willkürliche» Attest sei gross gewesen und habe sogar zu einer Beschwerde beim italienischen Ministerium geführt. Die tiefe Empörung der Tessiner Bäcker sei auch dem ehemaligen Ministerpräsidenten zu Ohren gekommen. Als er sich über die Geschehnisse informieren liess, habe er lachen müssen. Seine Neugier habe ihm allerdings keine Ruhe gelassen und er bestellte einen Panettone bei Cappelli. «So ist es dazu gekommen, dass ein Panettone di San Gallo nach Rom kam», schmunzelt Cappelli. Die von Pietro Cappelli hergestellten Panettoni sind während des ganzen Jahres in der heute von Pascal Fischbacher geführten Panetteria erhältlich. An Weihnachten ist die Nachfrage besonders gross. Dann wird auch die «Fabbrica del Panettone» an der Linsebühlstrasse 108 als Verkaufs- und Produktionsort genutzt. 

Pietro Cappellis Tipp:

Eindrückliche 15 verschiedene Panettone-Sorten sind bei Cappelli erhältlich. Und jede Sorte hat ihre Fangemeinde von Geniesserinnen und Geniessern. Wenn Pietro Cappelli für sich eine Sorte auswählen muss, dann ist der klassische Panettone di San Gallo seine Wahl.